Demenz - Therapie
Es gibt viele verschiedene Therapieansätze um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, um verschiedenen Symptomen entgegen zu wirken, um die Selbstständigkeit der Betroffenen zu erhalten, um einen Zugang zu Menschen mit Demenz zu bekommen und um ihr Wohlbefinden zu fördern. Die Wahl der Therapie ist abhängig von der Demenzform, von den individuellen äußeren Einflüssen und Rahmenbedingungen, den individuellen Symptomen und der individuellen Verträglichkeit bzw. Akzeptanz der jeweiligen Therapieform. Die Anzahl der verschiedenen Therapiemöglichkeiten ist so groß, dass hier nur eine Auswahl aufgeführt werden kann.

Medikamentös
Die Medikamente, die bei der Behandlung von Patienten mit Demenz Anwendung finden, können sehr hilfreich sein. Sie können zum Teil jedoch auch verschiedene unerwünschte Nebenwirkungen zeigen. Die Gabe der Medikamente sollte daher in Absprache mit dem behandelnden Arzt gut abgewogen und eine nicht-medikamentöse Therapie als Alternative überdacht und ausprobiert werden. Die ständige Rücksprache mit dem Arzt seitens der Betreuenden Personen ist auch für die richtige Dosierung der Medikamente unumgänglich. Die Medikamente, die bei einer Demenzerkrankung zum Einsatz kommen unterteilen sich in zwei Hauptgruppen:

Die Antidementiva verlangsamen das Fortschreiten der Demenz. Die hier aufgelisteten Antidementiva sind in ihrer Wirkung wissenschaftlich belegt. Daneben gibt es weitere Medikamente, deren Wirkung bisher nicht wissenschaftlich bewiesen werden konnte. Dazu zählt u.a. Ginkgo.

Die Neuroleptika dämpfen verschiedene Verhaltenssymptome, die im Rahmen der Demenz auftreten können.

Die Tabelle zeigt eine Auswahl von Medikamenten, die bei der Demenzerkrankung zum Einsatz kommen können. Über mögliche Nebenwirkungen informieren Arzt und Apotheker.

Gruppe Einsatz bei Handelsname Wirkstoff
Anti-
demen-
tiva
Leichtgradiger bis mittel-schwerer Alzheimer-Demenz Aricept Donepezil-hydrochlorid Pfizer ® Donepezil
Reminyl Galnora ® Galantamin
Leichtgradiger bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz und Demenz bei Parkinson-Krankheit Exelon ® Rivastigmin
mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz Axura ®, Ebixa ® Memantin
Neuro-
leptika
Unruhe, Erregung, Schlafstörung Atosil ® Promethazin
Schlafstörungen, innerer Unruhe, Stimmungsumschwüngen, Aggressivität Dipiperon ® Pipamperon
Schlafstörungen, Verwirrtheits-, Erregungs-und Spannungszuständen sowie in Hohen Dosen gegen Wahnvorstellungen Melperon ® Melperon
Unruhe Aggressivität, Wirklichkeitsferne Überzeugungen, Sinnestäuschungen, bei mäßiger und schwerer Alzheimerdemenz mit Selbst- und Fremdgefährdung Risperdal ® Risperidon
Wirklichkeitsferne Überzeugungen, Sinnestäuschungen, Erregungszustünde Haldol ® Haloperidol
Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen sowie dadurch bedingten Schlafstörungen Tavor ® Lorazepam
Valium ® Diazepam
Depression, Panik, Antriebsminderung Cipramil ® Citalopram
ausgeprägte Depression, Panikstörung Fluxet ® Fluoxetin
Paroxat ® Paroxetin
Zoloft ® Sertralin
Aus der Milieutherapie
Die Milieutherapie ist kein eindeutiges festgelegtes Konzept. Hinter diesem Begriff, der synonym zu Begriffen wie Milieugestaltung benutzt wird, verbergen sich verschiedene Ansätze, die die soziale Umgebung, die Tagesstrukturierung und die räumliche Gestaltung betreffen.
Soziale Umgebung
Mit der sozialen Umgebung sind alle Personen gemeint, mit denen der Mensch mit Demenz in Kontakt kommt. Wichtig ist, dass er mindestens eine Bezugsperson hat, die ihm Sicherheit geben kann. Im Vordergrund steht vor allem die angepasste Kommunikation mit den Betroffenen. Generell muss diese wertschätzend und verständnisvoll sein und die Defizite, die durch die Demenz entstehen, berücksichtigen. Die Einhaltung der Kommunikationsregeln ist elementar.

Tagesstrukturierung
Um den zeitlichen Orientierungsproblemen und den damit einhergehenden Verunsicherungen der Menschen mit Demenz entgegen zu wirken ist die Strukturierung des Tages ein hilfreiches Element. Täglich wiederkehrende feste Abläufe geben den Betroffenen Sicherheit. Die Tagesgestaltung sollte an den bisherigen Rhythmus im Leben des Menschen mit Demenz angepasst sein. Ist er beispielsweise immer früh aufgestanden, sollte es auch im Leben mit der Demenz beibehalten werden. Phasen von Aktivität sollten sich mit Ruhephasen abwechseln. Dabei gilt es, die Vorliebe der Betroffenen zu Berücksichtigen und die Einbindung in die Gemeinschaft zu fördern. Der Erkrankte muss das Gefühl erhalten, für ihn sinnvolle Tätigkeiten ausführen zu können, die ihn weder über- noch unterfordern.

Räumliche Gestaltung
Das Wohnumfeld sollte sicher sein, Orientierung geben und möglichst biographische Elemente beinhalten.

Sicherheit:
Bezüglich der Sicherheit ist auf mögliche Stolperfallen und viel Licht zu achten. Neigt der Betroffene dazu den Herd nicht auszuschalten oder das Waschbecken/die Badewanne überlaufen zu lassen, sollten diesbezüglich Maßnahmen getroffen werden, wie z.B. die Herdsicherung herauszunehmen oder alle Stöpsel aus dem Haushalt zu entfernen. Auch sollte der Zulauf von Warmwasser so geregelt sein, dass sich niemand verbrennen kann. Verschiedene Hilfsmittel, wie Haltegriffe und erhöhter Toilettensitz, können ebenfalls sinnvoll werden.

Orientierung:
geben viel Licht/Nachtlicht, offene/herausgenommene Zimmer- und Schranktüren, eindeutige Symbole (wie das eines Bettes an der Schlafzimmertür oder ein Kochlöffel an der Küchentür, blaue und rote Pfeile an den Wasserhähnen für Warm- und Kaltwasser) und das Aufhängen von Uhren und Kalendern. Prinzipiell sollte das Umfeld so gestaltet, dass es zu keiner Reizüberflutung kommt. Gemusterte Fußbodenbelege können Betroffene irritieren, dauerhafte Geräusche, vor allem wenn verschiedene gleichzeitig wirken, können zur Reizüberflutung führen.
Biographische Elemente
Wohnt der Mensch mit Demenz in seinen ursprünglichen Räumlichkeiten so sind diese in der Regel mit biographischen Elementen bereits ausgestattet. Zieht der Betroffene um, sollte die neue Räumlichkeit mit den bekannten Möbeln oder zumindest mit Möbeln, die für ihn und seinen Lebenslauf typisch sind, bestückt werden. Persönliche Gegenstände, wie Photos, Bilder, Sammlungen und Erinnerungsstücke, sollten ebenfalls ihren Platz finden. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, ist es sinnvoll, ältere Photos aufzuhängen, auf denen die Betroffenen sich und die anderen dargestellten Personen wiedererkennen. Dies gibt den Betroffenen Sicherheit und Geborgenheit.

Eine Auflistung technischer Hilfsmittel finden Sie hier:

Aus der Validation
Validation ist eine Kommunikationsform, bei der die Wertschätzung und Anerkennung der Person mit Demenz und ihren Handlungen im Mittelpunkt steht. Die Methode der Validation bei Demenz geht davon aus, dass die Gefühle der Person mit Demenz auf der Basis seiner Erlebenswelt, eben seiner Realität, angemessen und logisch sind. Die Emotionen (Sorge, Wut, Freude, Stolz, Liebe, …) und die Antriebe (Pflichtbewusstsein, Ordnungssinn, Zuverlässigkeit, Verzweiflung, …) die hinter einer Aussage oder dem Verhalten einer Person stecken werden akzeptiert, für gültig erklärt und ausgesprochen („Sie sind heute aber tüchtig!“, „Sie sind richtig wütend!“). Es wird Verständnis signalisiert. Im nächsten Schritt werden angesprochene Gefühle und Antriebe mit bekannten Sprichwörtern, Redewendungen, Liedern etc. verknüpft („Sie haben alle Hände voll zu tun!“, „Das wird höchste Eisenbahn!“, „Bei Geld hört die Freundschaft auf!“). Wenn die Person mit Demenz spürt, dass seine Gefühle und Wahrnehmungen ehrlich akzeptiert und nachvollzogen werden, fühlt er sich zunehmend angenommen, aufgefangen und entwickelt auf diese Weise Entspannung und Vertrauen. Negative Gefühle können so auch in schwierigen Situationen abgeschwächt werden.

Die Stimmen werden lauter, wenn das Verständnis abnimmt.
Friedrich Georg Jünger
Aus der Ergotherapie
Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können.
Abraham Lincoln

In der Ergotherapie wird der Erhalt der Fähigkeiten von Menschen mit Demenz durch gezieltes Training gefördert. Dazu zählen u.a. die Selbstständigkeit im Alltag, sozial-kommunikative Fähigkeiten und die motorischen (Bewegungsabläufe) und sensorischen (die Sinneswahrnehmung betreffend) Fähigkeiten. Dazu bedient sich die Ergotherapie beispielsweise der Methoden aus der Biographiearbeit, der Musik- und Kunsttherapie und der Basalen Stimulation. Darüber hinaus werden alltägliche und lebenspraktische Abläufe durch gezielte Übungen und dem Einsatz von Hilfsmitteln trainiert.

Biographiearbeit
Wenn man von der Sonne spricht, so scheint sie.
Norwegisches Sprichwort

Die Biographiearbeit ist das wichtigste Instrument um zu Personen mit Demenz im frühen und fortgeschritten Stadium einen Zugang zu bekommen und in Kontakt zu bleiben.

Voraussetzung ist das Wissen um den Lebenslauf des Betroffenen, inklusiver schwieriger (kritischer) Lebensereignisse, Vorlieben und Gewohnheiten, Abneigungen, und den Dingen, auf die sie stolz sind/waren. Menschen mit einer Demenz ziehen sich immer tiefer in die Vergangenheit zurück, da die Gegenwart und die junge Vergangenheit aufgrund der Erkrankung für sie nicht mehr greifbar sind. Auch wenn Menschen mit Demenz nicht mehr sagen können, was und ob Sie gerade gegessen haben, so können sie noch sehr lebhaft von ihrer Hochzeit, ihrem Schulanfang oder ihrem Elternhaus berichten. Die Erinnerung an positive Lebensereignisse und die Möglichkeit ein gutes Gespräch hierrüber zu führen steigert erwiesenermaßen das Wohlbefinden der von Demenz betroffenen Menschen.

Auch können Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen häufig in der Biographie gefunden werden. Vor allem kritische Lebensereignisse, wie Kriegserfahrungen, können zu Verhaltensweisen führen, die für Außenstehende als problematisch empfunden werden.

Da im weiteren Krankheitsverlauf den Betroffenen die Äußerungen ihrer Wünsche nicht mehr gelingt, ist das Wissen um früher typische Tagesabläufe, Vorlieben, Abneigungen und Hobbies wichtig. Mit biographischem Wissen gelingt eine wertschätzende, individuelle Betreuung mit der sich die Betroffenen wohl fühlen.

Praktische Umsetzung der Biographiearbeit gelingt durch gemeinsames Betrachten von Photoalben, Wiederhervorholen von Erinnerungen, die mit bestimmten Gegenständen verbunden sind, Singen altbekannter Lieder, Ausüben von im Verlauf des Lebens typischerweise durchgeführten (alltäglichen) Aktivitäten.

Musiktherapie
Es schwinden jedes Kummers Falten, solang des Liedes Zauber walten.
Schiller

Musik hat eine Wirkung auf alle Menschen. Sie kann bestimmte Gefühle erzeugen, verstärken und abschwächen. Sie kann beruhigen oder beleben. Musik kommt von Herzen und geht ans Herz, sie erfolgt intuitiv und wird intuitiv verstanden. Daher erreicht man mit Musik auch Menschen im schwersten Stadium einer Demenz. Mit Musik werden Erinnerungen wach. Sie weckt verloren geglaubte sprachliche Ressourcen: Es kommt immer wieder vor, dass Personen mit Demenz, die nicht mehr sprechen, trotz extremer Gedächtnisprobleme altbekannte Lieder komplett mitsingen können.

Kunsttherapie
Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.
Goethe

In der Kunsttherapie können sich Menschen mit Demenz ohne Worte ausdrücken und ausprobieren. Ihr Tun hat das Bild als Ergebnis, was ihnen ein Erfolgserlebnis und einen Sinn ihrer Tätigkeit verschafft. Dies aktiviert, stärkt das Selbstbewusstsein, fördert das Wohlbefinden und weckt dadurch Ressourcen. Darüber hinaus können Bilder von Menschen mit Demenz Aufschluss darüber geben, wie sie sich fühlen, womit mit sie sich gedanklich beschäftigen und nicht zuletzt in welchem Stadium einer Demenz sie sich befinden.

Basale Stimulation
Haben Menschen mit Demenz die Fähigkeit verloren, sich sprachlich zu äußern und Sprache zu verstehen, können diese noch über ihre Sinne erreicht und bis zu einem gewissen Grad aktiviert werden.

Die Basale Stimulation beinhaltet die drei Grundelemente Stimulation der Haut (z.B. beruhigende Wäsche mit Strichen in Richtung der Körperbehaarung, belebende Wäsche mit Strichen gegen die Richtung der Körperbehaarung), Förderung des Gleichgewichtsinns (z.B. durch Kopfwendebewegungen, Schaukeln des Oberkörpers) und die Vermittlung der Körpertiefe um Aufmerksamkeit zu fördern und zu beruhigen. Die Vermittlung der Körpertiefe gelingt durch die Ansprache aller Sinne: Geschmacks-, Geruchs-, Seh-, Tast- und Hörsinn. Tast- und Hörsinn werden durch Vibration und Rhythmus angeregt.

Meine seltsame Vorstellung von Vergangenheit*

Bin ich jetzt hier?
Wie lange schon?
Ich habe solche Angst Was habe ich da gesehen?
Es scheint so lange her
Und kurz zur selben Zeit
Sie singen ein Lied
Das mich erinnert
Ich fühle mich einsam und geliebt
Weiß nicht was ich denken
Oder fühlen soll Was ist wahr?
Meine Vorstellungskraft?
Meine seltsame Vorstellung
Der Vergangenheit
Ich sah so viel
Nun ist alles vergessen
Jetzt berühren sie mich
Berühren meine Hand
Jetzt fühle ich mich
Geliebt
Carla, 16 Jahre aus Berlin

*der Internetseite http://larsruppel.de entnommen

Aus der Clownerie
Humor ist keine Gabe des Geistes, er ist eine Gabe des Herzens.
Ludwig Börne

Die Clownerie wird therapeutisch vor allem in Krankenhäusern bei schwerkranken Patienten eingesetzt. Zunehmend suchen speziell ausgebildete Clowns aber auch Menschen mit Demenz außerhalb des Krankenhauses auf, in Rahmen von Gruppenveranstaltung aber auch in Einzelgesprächen. Die Clowns bedienen sich dabei der Musik- und der Gedichtkunst.

In seiner Arbeit mit Menschen mit Demenz ist der Clown so erfolgreich, weil er sein Gegenüber so nimmt wie er ist. Er macht Mut, weil er trotz mehrfachen Scheiterns nicht aufgibt und unkonventionelle Lösungen findet. Dabei zeigt er deutlich Gefühle, wie Trauer, Wut und natürlich Freude – und das verbindet. Sein wichtigstes Werkzeug dabei ist der Humor. Dieser führt zu gegenseitigem Verständnis und Geborgenheit. Als etwas, das wir intuitiv erkennen und ausleben können, wird Humor auch von Menschen im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz verstanden. Und Lachen hat erwiesenermaßen positive Effekte, “Lachen ist die beste Medizin!“: Es mindert Stress, Ängste und stärkt das Immunsystem und das Selbstwertgefühl.

 
 
 
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