Tipps im Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen
Krankheitsbedingt können Menschen mit Demenz Verhaltensweisen zeigen, die nicht situationsgerecht sind und von Außenstehenden als schwierig empfunden werden. Wichtig ist es, sich zu verinnerlichen, dass diese jeweilige Verhaltensweise die Person nicht mit Absicht zeigt, womöglich noch um Außenstehende zu provozieren, sondern dass diese Verhaltensweisen Symptome einer Krankheit sind. Menschen mit Demenz leben zunehmend in einer eigenen Welt und finden nicht mehr in unsere. Um Sie zu erreichen müssen wir in ihre Welt eintauchen, denn wir besitzen prinzipiell dazu noch die Fähigkeit.
Was, meinst du, ändert sich leichter
Ein Stein oder deine Ansicht darüber?

Bertolt Brecht

Kommunikationsregeln
Die einzige Sprache, die jeder versteht, ist die Sprache des menschlichen Gesichts.
Ernst Bloch

Die Biographiearbeit ist das wichtigste Instrument um zu Personen mit Demenz im frühen und fortgeschritten Stadium einen Zugang zu bekommen und in Kontakt zu bleiben.

  • Stellen Sie Blickkontakt her! Dies zeigt Akzeptanz und respektvollen Umgang. Blickkontakt ist umso wichtiger, als dass die Sinne eines Menschen mit Demenz nachlassen. Sein Blickfeld schränkt sich ein, er kann Geräusche nicht mehr so gut aus anderen Geräuschen herausfiltern.
  • Sprechen Sie langsam in kurzen, klaren Sätzen! Werden die Sätze zu lang, wissen Menschen mit Demenz nicht mehr, was am Anfang des Satzes stand und können den Sinn nicht mehr erfassen.
  • Stellen Sie einfache Fragen, möglichst solche, die mit ja oder nein zu beantworten sind. Antworten auf Fragen wie Wieso? Weshalb? Warum? sind für viele Demenzkranke zu komplex um sie zu beantworten. Auch wissen sie häufig nicht, warum sie selbst etwas getan haben.
  • Geben Sie genügend Zeit zum Antworten. Viele Menschen mit Demenz sind verlangsamt und benötigen Zeit.
  • Ergänzen Sie Ihre Worte durch Gesten, Mimik und/oder Berührung. Dies gibt dem Menschen mit Demenz zusätzlich Information über den Inhalt ihrer Worte. Berührungen geben Sicherheit und Geborgenheit.
  • Sprechen Sie in einem warmen Tonfall. Das Wie wird entscheidender als das Was. Menschen mit Demenz verstehen einen Tonfall intuitiv, während der Inhalt des Gesagten vielleicht schon nicht mehr erfasst werden kann.
  • Nutzen Sie die vertraute Sprache (Dialekt, typische Redewendungen und Formulierungen) der Person mit Demenz. Das schafft bessere Verständigung und Vertrauen.
  • Vermeiden Sie Zurechtweisungen und Kritik. Diskussionen sind nutzlos.
Ursachenforschung
Ich will geliebt sein oder ich will begriffen sein. Das ist eins.

Bettina von Arnim

Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz, die für Außenstehende schwierig sind, sind am besten zu bewältigen, wenn deren Ursachen bekannt sind und so der Erkrankte in seiner Situation besser verstanden werden kann.

Krankheitssymptomatik als Ursache
Sogenanntes „Herausforderndes Verhalten“ kann in den Symptomen der Erkrankung begründet sein. So kann aggressives Verhalten und anhaltendes Schreien im mittleren und schweren Stadium einer Demenz aus dem Unvermögen eigene Bedürfnisse zu äußern oder Unwohlsein bestimmten Bedürfnissen zuzuordnen begründet sein. Hierzu zählt vor allem Hunger, Durst und Schmerz. Im Anfangsstadium und im mittleren Stadium kann die Erkenntnis des eigenen Unvermögens zu Isolation, Depression und auch aggressivem Verhalten führen.

Das gestörte Kurzzeitgedächtnis in Verbindung damit, eigenes Unvermögen nicht gelten lassen zu wollen, kann ebenfalls zu „herausforderndem Verhalten“ führen. Typische Beispiele sind Schuldzuweisungen, wie „Du hast mein Geld gestohlen!“ Die Person mit Demenz, weiß vielleicht nicht mehr, dass sie Geld ausgegeben hat oder es vielleicht vor Dieben versteckt hat und ist sich daher „ganz sicher“, dass sie dafür nicht verantwortlich ist. Die für sie logische Schlussfolgerung ist, dass es andere weggenommen haben müssen. Anschuldigungen sollte man daher auf keinen Fall persönlich nehmen. Auch wird es nichts nützen, den Betroffenen auf sein eigenes Unvermögen hinzuweisen. In dem Falle kann der Einsatz von Validationstechniken nützlich sein. Spricht man das Gefühl der Wut, das hinter den Anschuldigungen steckt, an, fühlt sich der Betroffenen ernst genommen. Anschließend kann man mit ihm zusammen „auf die Suche gehen“.

Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis.
Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz
Und bleibt unerbittlich.
Endlich – gibt das Gedächtnis nach.

Friedrich Nietzsche

Biographische Ereignisse als Ursache
Es gibt drei Wahrheiten: Meine Wahrheit, deine Wahrheit und die Wahrheit.
Chinesisches Sprichwort

„Herausforderndes Verhalten“ kann durch Ereignisse aus der Biographie begründet sein. Jemand, der sich in der Silvesternacht weigert ins Bett zu gehen und sich stattdessen darunter legt, mag traumatische Kriegserfahrungen gemacht haben, die durch den Krach draußen in ihm wieder hoch kommen. Derjenige wird sicherlich unter dem Bett nach Schutz suchen. Es wird nichts nützen, ihm zu sagen, dass der Krieg vorbei ist. Er wird sich auf Grund der Gedächtnisstörungen nicht mehr an das Kriegsende erinnern können. Für ihn ist Krieg! Das Einlassen auf die Situation, in der die Person mit Demenz sich zu befinden glaubt, ist sehr wichtig. Um Probleme zu lösen, die biographisch bedingt sind, ist Kreativität gefragt. Lösungen müssen dabei eher unkonventionell sein: Lassen Sie Fünfe gerade sein! Der Person, die sich im Krieg befindet, ist vielleicht am besten geholfen, wenn sie auf ihrer Matratze unter dem Bett schlafen kann.

 
 
 
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