Gut versorgt - rechtliche Hilfen
Damit Menschen mit Demenz gut versorgt sind, müssen einige Dinge erledigt und angegangen werden. Manche bereits im Vorfeld der Erkrankung. So ist es für jeden Volljährigen Bürger ratsam im Besitz einer Vorsorgevollmacht, einer Betreuungs- und einer Patientenverfügung zu sein.
Vorsorgevollmacht
Menschen mit Demenz kommen irgendwann an den Punkt, Entscheidungen für sich selbst nicht mehr treffen zu können. Damit andere die Finanzen regeln können, sie vor Gericht und Behörden vertreten dürfen, für die Gesundheit sorgen und einen Umzug ermöglichen können, ist es sinnvoll eine Vorsorgevollmacht auszustellen. Eine Vorsorgevollmacht können jedoch nur Personen ausstellen, die noch in der Lage sind für sich selbst Entscheidungen zu treffen. Vorsorgevollmachten sollten daher prinzipiell - für den Fall der Fälle - alle volljährigen Personen haben. Wichtige Voraussetzung ist, dass die Vorsorgevollmacht auf jemanden übertragen wird, dem blind vertraut wird. Jemand, dem die Vorsorgevollmacht übertragen wurde, wird vom Staat nicht kontrolliert. Besteht der Verdacht der Veruntreuung kann man sich jedoch an die Betreuungsbehörde wenden.

Die Vorsorgevollmacht bietet gegenüber der gesetzlichen Betreuung den Vorteil, dass sie im Ernstfall sofort greift und nicht erst vom Gericht bestätigt werden muss, was einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Der Bevollmächtigte sollte im Vorfeld über seinen Einsatz aufgeklärt sein, er trägt damit eine große Verantwortung und hat eine umfassende Aufgabe. Er sollte wissen, wo die Vollmacht hinterlegt ist und im Ernstfall Zugang dazu haben können.

Ist es für eine Vorsorgevollmacht zu spät oder gibt es keine Person des Vertrauens kommt nur die Gesetzliche Betreuung in Betracht.

Eine Infobroschüre samt Formular für die Vorsorgevollmacht kann kostenfrei über das Bundesministerium für Justiz bestellt werden.

Betreuungsverfügung
Für den Fall, dass trotz einer Vorsorgevollmacht die Bestellung eines gesetzlichen Betreuers notwendig wird, sollte eine Betreuungsverfügung verfasst werden. In der Betreuungsverfügung kann festgehalten werden, wen man sich als gesetzlichen Betreuer wünscht oder auch, welche Personen auf gar keinen Fall als seinen Betreuer eingesetzt werden soll. Um einen gesetzlichen Betreuer zu bestellen muss ein Antrag an das Betreuungsgericht gestellt werden. Gesetzliche Betreuer müssen im Gegensatz zu Bevollmächtigten dem Gericht jährlich Bericht erstatten.
Patientenverfügung
In der Patientenverfügung wird festgelegt, ob und wie man in bestimmten Situationen, in denen man seinen Willen nicht mehr äußern kann, ärztlich behandelt werden möchte. Dabei geht es nicht um die Behandlung bei bestimmten Erkrankung – diese Patientenverfügung würde wohl nie fertig werden – sondern um die Behandlung in bestimmten Situationen, wie beispielsweise im Sterbeprozess oder bei Hirnschädigungen. Die Patientenverfügung ist ein sehr individuelles Schriftstück in der Maßnahmen, wie Schmerzbehandlung, Künstliche Ernährung und Beatmung, Wiederbelebung und Lebenserhaltende Maßnahmen festgelegt werden. Daher ist die Verwendung von Textbausteinen ratsam. Auch für die Patientenverfügung sollte ein Bevollmächtigter eingesetzt werden, der die Umsetzung der Patientenverfügung durchsetzt. Der Einsatz als Bevollmächtigter ist eine große Verantwortung und sollte daher mit demjenigen abgesprochen sein. Ebenso sollte geklärt werden, ob der Bevollmächtigte die Inhalte der Verfügung mit seinen persönlichen Einstellungen vertreten kann.

Eine Infobroschüre samt Textbausteine für die Patientenverfügung kann kostenfrei über das Bundesministerium für Justiz bestellt werden.

Auto fahren
Mobilität hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert und ist ein wesentlicher Aspekt der Lebensqualität. Die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs, die Sorge für die Gesundheit und die Aufrechterhaltung des sozialen Netzes machen auch bzw. sogar besonders im Alter Mobilität im Sinne der Verkehrsteilnahme notwendig.

Das Risiko von Autounfällen steigt mit der Dauer und dem Schweregrad einer Demenz. Schon im frühen Stadium der Krankheit sind das Reaktionsvermögen sowie die Einschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten meist erheblich eingeschränkt. Für viele Demenzerkrankte bedeutet die Aufgabe des Autofahrens den Verlust von Selbständigkeit und Identität, sodass das Thema in vielen Familien ein Streitpunkt wird. Wichtig ist für alle Beteiligten, sich darüber klar zu werden, dass verlangsamte Reaktionen und ein vermindertes Denk-, Konzentrations- und Urteilsvermögen im Straßenverkehr eine große Gefährdung darstellen, auch wenn der/die Demenzerkrankte "nur ganz kurze" Strecken in vertrauter Umgebung zurücklegt und eine Begleitperson dabei ist.

Stellen Sie sich daher regelmäßig folgende Fragen:

  • Hat sich die erkrankte Person in letzter Zeit häufiger als sonst verfahren?
  • Hat die erkrankte Person in letzter Zeit vermehrt Unfälle oder "Beinahe-Unfälle", z.B. Streifen des Garagentores?
  • Hat die erkrankte Person in letzter Zeit vermehrt technische Schwierigkeiten mit dem Fahrzeug?
Wenn der/die Demenzerkrankte nicht zur Aufgabe des Autofahrens zu bewegen ist, kann es hilfreich sein, das Problem mit dem Arzt oder der Ärztin zu besprechen - manchmal ist es leichter, wenn ein Außenstehender die Angelegenheit anspricht und eine objektive Empfehlung ausspricht. In unklaren Fällen empfiehlt sich eine definitive Beurteilung durch den Amtsarzt oder die Amtsärztin oder eine besondere verkehrsmedizinische Abteilung. Für Atteste der Fahrtauglichkeit ist das örtliche Straßenverkehrsamt zuständig.

Grundsätzlich steht auch bei Demenzkranken, welche Auto fahren, in erster Linie die Kfz-Haftpflichtversicherung als gesetzliche Pflichtversicherung für Schäden, die bei Dritten verursacht wurden, ein. Jedoch hat die Versicherung die Möglichkeit, sich diese Schäden durch den Erkrankten bzw. dessen Aufsichtspflichtigen ersetzen zu lassen. Auch kann die Kfz-Haftpflichtversicherung den behandelnden Arzt, der seine Aufklärungspflicht verletzt hat, in Regress nehmen.

Pflegeversicherung
Stand: November 2017
Um Unterstützung in der Pflege durch eine Sozialstation zu erhalten oder einen finanziellen Ausgleich bei Pflegeübernahme durch eine Privatperson zu bekommen, muss ein Antrag auf Pflegegrad bei der Pflegeversicherung gestellt werden. Auch für die Aufnahme in ein Pflegeheim wird ein Pflegegrad benötigt. Mit einem Pflegegrad erhält man auch weitere Leistungen, wie z.B. Tages- und Nachtpflege (teilstationär) und Kurzzeitpflege (Verbleib über mehrere Tage im Pflegeheim). Mit der Pflegereform 2016/2017 wird der Grad der Pflegebedürftigkeit nun anhand des Ausmaß der Selbstständigkeit festgelegt und anhand von Punkten gemessen. (Die Pflegestufen 0-3, die nach dem zeitlichen Aufwand vergeben wurden sind seitdem abgeschafft.)
Einstufung in die Pflegegrade
Dazu werden sechs Bereiche hinsichtlich der Selbstständigkeit untersucht:
  • Mobilität: z.B. sitzen, aufstehen, laufen innerhalb der Häuslichkeit, Treppensteigen
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: z.B. Erkennen von Personen, Orientierung, Ausführen von Alltagshandlungen, Treffen von alltägliche Entscheidungen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Aufforderungen verstehen, Beteiligung an Gesprächen
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: z.B. nächtliche Unruhe, selbstschädigendes Verhalten, Beschädigung von Gegenständen, physische und verbale Aggression, Abwehr pflegerischer Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit, depressive Stimmungslage,
  • Selbstversorgung: z.B. Körperpflege, An- und Auskleiden, Ernährung, Ausscheidung
  • Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: z.B. Medikation, Injektionen, Einreibungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, Verbandswechsel und Wundversorgung, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuch anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Tagesablauf gestalten, Ruhen und Schlafen, sich beschäftigen, Planungen vornehmen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt und Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfeldes.
Pflegegrad 1:
Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit (12,5 bis unter 27 Punkte)
Pflegegrad 2:
Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit (27 bis unter 47,5 Punkte)
Pflegegrad 3:
Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit (47,5 bis unter 70 Punkte)
Pflegegrad 4:
Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit (70 bis unter 90 Punkte)
Pflegegrad 5:
Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (90 bis 100 Punkte).
Anträge für die Pflegestufe können über die jeweiligen Pflegeversicherungen bezogen werden. Nach Antragstellung wird der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK) einen Haus- (oder Krankenhaus-)besuch abstatten und den tatsächlichen Pflegeaufwand erfassen.
Man darf nicht vergessen, dass die Pflegeversicherung eine Teilkasko-Versicherung ist. D.h., sie ist eine große Unterstützung bei der Pflege, übernimmt jedoch nicht prinzipiell die vollständigen Kosten für den Pflegeaufwand.
Leistungen
Leistungsbetrag vollstationär:
Befindet sich der Pflegebedürftige in einem Pflegeheim übernimmt die Pflegeversicherung einen Teil der daraus entstehenden Kosten entsprechend des Pflegegrads. Für den Pflegebedürftigen bleibt jedoch immer noch ein Eigenanteil zu zahlen. Die Höhe des Eigenanteils ist unabhänging vom Pflegegrad, allerdings abhänging von der jeweiligen Pflegeeinrichtung.
Geldleistung ambulant:
Diese Geldleistung ist für die private Pflegeperson für die Übernahme der Pflege gedacht.
Kombileistung:
Geldleistung und Sachleistungen können je nach Bedarf kombiniert werden. Wer z.B. nur die Hälfte der Sachleistungen für den ambulanten Pflegedienst benötigt, kann die Hälfte der Geldleistung zusätzlich erhalten.
Beispiel 1: Bei Pflegegrad 2: 50% Sachleistung (345,50€) und 50% Geldleistung (158€) bedeutet, dass die Kosten für den ambulanten Pflegedienst in der Höhe von 345,50€ von der Pflegeversicherung übernommen werden und der Pflegende 158 € von der Pflegeversicherung ausgezahlt bekommt.
Beispiel 2: Bei Pflegegrad 2: 30% Sachleistung (206,70€) und 70% Geldleistung (221,20€) bedeutet, dass die Kosten für den ambulanten Pflegedienst in Höhe von 206,70€ von der Pflegeversicherung übernommen werden und der Pflegende 221,20€ von der Pflegeversicherung ausgezahlt bekommt.
Entlastungsbetrag:
Der Entlastungsbetrag dient der Erstattung der Kosten anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag (z.B. Alltagsbegleitung oder stundenweiser Betreuung bei Demenz), für Tages-/Nachtpflege- und Kurzzeitpflegestellen und ambulanten Pflegediensten (in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung).
Tages-/Nachtpflege:
In Tagespflegeeinrichtungen werden die Erkrankten tagsüber betreut. Abends und am Wochenende kehren sie dann zu ihren Angehörigen zurück. Vereinzelte Tagespflegeeinrichtungen sind jedoch auch samstags geöffnet. Das Programm der Tagespflege umfasst meist Beschäftigung in der Gemeinschaft sowie körperliche und geistige Aktivierung sowie natürlich gemeinsames Essen und die pflegerische Versorgung. Die meisten Tagespflegedienste bieten zudem das Abholen und Heimbringen der Patienten an.
An wie vielen Tagen in der Woche die Pflegebedürftigen die Tagespflege besuchen können, wird individuell abgesprochen. Häufig hängt die Anzahl der Tage jedoch von der Finanzierung durch die Pflegeversicherung ab, die je nach Pflegestufe unterschiedliche ausfällt.Parallel zu den Leistungen der Tagespflege werden die ambulanten Leistungen weitergezahlt.
Verhinderungspflege (bei Pflegegrad 2-5):
Auch pflegende Angehörige werden mal krank oder haben einen Urlaub nötig. In solchen Fällen bietet sich die Verhinderungspflege an. Die Verhinderungspflege wird von Privatpersonen oder dem ambulanten Pflegedienst (Sozialstation) übernommen. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten von bis zu 1612 € pro Jahr für maximal 6 Wochen Verhinderungspflege. Allerdings gilt dies nur für Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2-5. Nicht in Anspruch genommener Leistungen der Kurzzeitpflege können zusätzlich für die Verhinderungspflege verwendet werden (maximal 50% der Leistungen der Kurzzeitpflege). Damit kann die Verhinderungspflege auf bis zu 2418€ erhöht werden. Die Verhinderungspflege kann auch stundenweise verwendet werden.
Die Hälfte des Pflegegelds wird parallel zur Verhinderungspflege weitergezahlt, bei stundenweise Verhinderungspflege wird das komplette Pflegegeld weitergezahlt.
Kurzzeitpflege:
Für die Kurzzeitpflege wird der Pflegebedürftige vorübergehend in einer stationären Pflegeeinrichtung versorgt. Dies können bis zu 8 Wochen im Jahr sein. Die Pflegeversicherung übernimmt dabei bis zu 1612€ pro Jahr (jedoch nicht den einrichtunsbezogenen Eigenanteil). Ein Teil der nicht in Anspruch genommenen Verhinderungspflege kann zusätzlich für die Kurzzeitpflege aufgebracht werden, so dass die Leistung auf maximal 3224€ erhöht werden kann. Die Hälfte des Pflegegeldes wird während der Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege weitergezahlt.
Leistungsübersicht
Leistung Pflege-
grad
1
Pflege-
grad
2
Pflege-
grad
3
Pflege-
grad
4
Pflege-
grad
5
Vollstationäre Pflegeleistungen, monatlich (Pflegeheim) 125 € 770 € 1262 € 1775 € 2005 €
Ambulante Leistungen Pflegegeld, monatlich bei Pflege durch Privatperson, kann bei Bedarf mit den Pflegesachleistungen kombiniert werden, z.B. 50% Pflegegeld und 50% Pflegesachleistung - 316 € 545 € 728€ 901 €
Pflegesachleistung, monatlich Bei Pflege durch ambulanten Pflegedienst/Sozialstation, mit Pflegesachleistung kombinierbar, bis zu 40% sind für niedrigschwellige Entlastungsangebote einsetzbar - 689 € 1298 € 1612 € 1995 €
Entlastungsbetrag, monatlich, z.B. für stundenweise Betreuung in der Häuslichkeit, Tages- oder Kurzzeitpflege 125 € 125 € 125 € 125 € 125 €
Tagespflege, monatlich (Betreuung von morgens bis nachmittags in einer Einrichtung) - 689 € 1298 € 1612 € 1995 €
Verhinderungspflege, jährlich 6 Wochen durch ambulanten Pflegedienst oder eine Privatperson, kann durch Übertrag der Kurzzeitpflege auf bis zu 2418€ erhöht werden - 1612 € 1612 € 1612 € 1612 €
Kurzzeitpflege, jährlich 8 Wochen durch eine Pflegeeinrichtung, kann durch Übertrag der Verhinderungspflege auf bis zu 3224€ erhöht werden - 1612 € 1612 € 1612 € 1612 €
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel, monatlich z.B. Handschuhe, Inkontinenzmaterial - 40 € 40 € 40 € 40 €
Zuschuss für Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes, einmalig z.B. Einbau einer ebenerdigen Dusche 4000 € 4000 € 4000 € 4000 € 4000 €
Zuschuss zum Hausnotruf, einmalig bzw. monatlich 10,49 € einmalig
+
18,36 €
10,49 € einmalig
+
18,36 €
10,49 € einmalig
+
18,36 €
10,49 € einmalig
+
18,36 €
10,49 € einmalig
+
18,36 €
 
 
 
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